Reiseblog Travel Sisi

Wenn man Peking besucht, sollte man sich unbedingt auch die Chinesische Mauer ansehen. Das ist eine grandioses Werk! Ich will mir die Mauer so authentisch wie möglich ansehen und grosse Touristenschwärme vermeiden. Dafür bin ich bereit, eine längere Anfahrt in Kauf zu nehmen und meine Flipflops gegen Wanderschuhe zu tauschen. Der Mauerabschnitt um Jinshanling klingt perfekt: Hier sieht man die Mauer noch so, wie sie ist und kann sie abwandern. Das ist das, was ich möchte, denn wie schon Mao gesagt hat: „He who has not climbed the Great Wall is not a true man“ – in meinem Fall halt Wo-man.

Ich entscheide mich für eine Ganztagestour, denn das ist die einfachste und bequemste Variante, um dorthin zu gelangen. Die 10km Wanderung bis nach Simatai ist momentan zwar aus Sicherheitsgründen gesperrt, aber man kann wieder zurück zum Ausgangspunkt wandern. Das Package hat einen guten Preis und auch das Essen ist inklusive. Es geht zwar ziemlich früh los, aber Frühstück gibt es unterwegs. Meine Snacks kann ich also getrost in Peking lassen, denn das reicht mir dann schon bis zur Rückkehr um 18 Uhr. 

Um 6h15 werde ich in meinem putzigen Hutong Gästehaus abgeholt. Kaum im Bus drückt mir die fröhliche Reiseleiterin auch gleich einen kleinen Papiersack in die Hand. Das goldene M auf dem braunen Beutel kommt mir jetzt irgendwie bekannt vor. Und tatsächlich staune ich nicht schlecht über mein allzu winziges und sehr westliches Frühstück. Die Fahrt ist ziemlich lange, aber das war mir ja bewusst. Gute Dinge dauern denn halt auch manchmal etwas länger und die Touristenmauer will ich ja nicht sehen. Kurz nach 11 Uhr kommen wir an unserem Ziel an. Nach dem kleinen Frühstückssnack knurrt mein Magen auch genau rechtzeitig und ich freue mich auf das leckere Mittagessen. Meine Reiseleiterin hat das aber irgendwie etwas anders geplant. Sie stellt sich fröhlich in ihrem lustigen Sonnenhut vor die Wandertafel und erklärt wie eine Lehrerin, was zu tun ist.

China Jinshanling Wanderkarte

Ich frage mich noch, wieso das denn nicht bis nach dem Essen warten kann. Und da höre ich bereits, dass die Wanderung jetzt stattfindet. Ja, genau, mein Englisch täuscht mich nicht. Das Mittagessen findet nach der Rückkehr statt. Zuerst wird gewandert! Da bin ich also stundenlang gefahren, um das Wahnsinnswerk der Chinesen zu sehen und stehe jetzt mit einem Riesenloch im Magen davor! Aber mein Enthusiasmus für Neues bringt mich irgendwie auf Trab und schon sitze ich in der etwas in die Jahre gekommenen wackeligen Gondelbahn auf dem Weg zur Mauer. Oben angekommen genehmige ich mir einen leckeren Kaugummi und los geht die Wanderung. Die Aussicht ist gigantisch! Die Sonne scheint und ich kann weit hinten im Horizont noch Teile von diesem architektonischen Meisterwerk sehen. Es geht steil rauf und runter und dazwischen macht mir mein Hunger ziemlich zu schaffen. Ich staune nicht schlecht über diese chinesische Gruppe, die auch noch genug Energie zum Planken hat:

China Jinshanling Planking

Sie haben bestimmt etwas mehr Essen eingeplant für ihren Trip. Vielleicht drehen Sie nach diesen wenigen Metern Wanderung und dem Fotoshoot aber auch einfach wieder um und gehen unten ins Restaurant? Sollte ich vielleicht mitgehen? Nein, das kann ich jetzt wirklich nicht machen nur wegen einem läppischen Hungergefühl. Ich bin so weit gereist und möchte noch etwas mehr sehen von der Mauer.

Die Wanderung geht also weiter. Der Zustand der Mauer macht den Weg nicht einfacher. Hier in Jinshaling bröckelt sie schon ganz schön auseinander. Es fehlen manchmal ganze Ecken und Steinbrocken.

Ich erfahre, dass die Anwohner diese geklaut und für den Bau von ihren Häusern verwendet haben. Ich kämpfe mich tapfer weiter rauf und runter bis zu dem Punkt, an dem mich wirklich ein Warnschild vor dem Weiterwandern abhält. Auf dem Rückweg finde ich glücklicherweise einen fliegenden Händler in einem der Wachtürme und gönne mir ein zuckerhaltiges Getränk, damit ich es noch ein Stück weiter schaffe. Zum grossartigen Handeln ist mir nicht mehr zumute und ich zahle den ziemlich hohen Betrag. Der Mann sitzt schliesslich den ganzen Tag im einsamen Wachturm mit seinen Drinks. Diese Mauer bringt mich auch ganz schön zum Schwitzen! Aber ich ziehe es durch bis zum Schluss, denn bald gibt es ja endlich etwas zu essen.

Ein letztes Foto von dieser einmaligen Sehenswürdigkeit, rein in die Gondel und ab zum Buffet! Nach nur vier Stunden Wanderung mit knurrendem Magen. Well done, oder?

Happy Hiking,
Eure Travel Sisi 

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